Das Wichtigste in Kürze
- Seit der Übernahme durch Broadcom verkauft VMware keine unbefristeten Lizenzen mehr und bündelt sein Portfolio in Abonnements wie VMware Cloud Foundation und vSphere Foundation.
- Proxmox VE ist eine kostenlos nutzbare Virtualisierungsplattform unter AGPLv3 mit KVM, LXC, Clustering, Hochverfügbarkeit sowie integriertem ZFS und Ceph.
- Proxmox-Subscriptions werden pro CPU-Sockel und Jahr abgerechnet und unterscheiden sich nur im Support-Umfang, nicht im Funktionsumfang.
- Seit Version 8.2 importiert Proxmox VE virtuelle Maschinen von VMware ESXi per Assistent; vSAN-Disks, verschlüsselte Disks und vTPM-Zustände werden dabei nicht direkt übernommen.
- Eine Migration von VMware zu Proxmox VE gelingt am sichersten in Wellen, beginnend mit unkritischen Systemen und mit Parallelbetrieb bis zur Kündigung der VMware-Verträge.
Proxmox Virtual Environment (Proxmox VE) ist für den Mittelstand die naheliegendste Alternative zu VMware vSphere: eine Open-Source-Virtualisierungsplattform, die seit Version 8.2 einen Import-Assistenten für VMware ESXi mitbringt. Für viele IT-Abteilungen war vSphere jahrelang gesetzt: stabil, gut dokumentiert, von jedem Dienstleister beherrscht. Mit der Übernahme durch Broadcom hat sich die Rechnung verändert. Wer heute über die nächste Verlängerung entscheidet, sollte die Alternative zumindest ernsthaft durchgerechnet haben.
Dieser Leitfaden ordnet ein, was sich bei VMware geändert hat, was Proxmox VE leistet – und wie eine Migration Schritt für Schritt gelingt, ohne den Betrieb zu gefährden.
Was hat sich bei VMware geändert?
Broadcom hat die Übernahme von VMware am 22. November 2023 abgeschlossen. Wenige Wochen später, im Dezember 2023, kündigte VMware by Broadcom an, keine unbefristeten Lizenzen (Perpetual Licenses) mehr zu verkaufen und das Produktportfolio auf wenige Abo-Bündel zu konzentrieren – im Kern VMware Cloud Foundation (VCF) und VMware vSphere Foundation (VVF). Auch Support-Verlängerungen für bestehende unbefristete Lizenzen wurden eingestellt; wer weiterhin Updates und Support will, muss in ein Abonnement wechseln.
Für Kunden bedeutet das zweierlei: Erstens ändern sich die Kosten – je nach Ausgangslage teils erheblich, weil Funktionen gebündelt werden, die man vielleicht nie genutzt hat. Zweitens ist die Planbarkeit gesunken. Wie stark sich Ihre eigenen Kosten verändern, lässt sich nur mit einem konkreten Angebot beantworten; pauschale Prozentangaben aus Foren helfen bei der Entscheidung wenig.
Was ist Proxmox VE?
Proxmox VE ist eine Virtualisierungsplattform der Wiener Proxmox Server Solutions GmbH. Der Quellcode steht unter der GNU Affero General Public License v3 (AGPLv3), die Software selbst ist kostenlos und ohne Funktionsbeschränkung nutzbar. Die aktuelle Hauptversion 9 basiert auf Debian 13 „Trixie“; im Mai 2026 erschien Version 9.2.
Die wichtigsten Bausteine:
- KVM und LXC: Vollvirtualisierte Maschinen laufen auf KVM/QEMU, dem Standard-Hypervisor im Linux-Kernel. Daneben gibt es LXC-Container – leichtgewichtige Linux-Systemcontainer, die sich für Infrastrukturdienste wie DNS oder einen Reverse Proxy eignen.
- Cluster und Hochverfügbarkeit: Mehrere Server lassen sich zu einem Cluster zusammenschließen und zentral über die Weboberfläche verwalten. Virtuelle Maschinen können live zwischen Knoten verschoben werden; ein HA-Manager startet Gäste bei einem Knotenausfall auf anderen Knoten neu. Version 9.2 hat einen dynamischen Lastausgleich ergänzt, der Gäste anhand der tatsächlichen Auslastung verteilen kann.
- Speicher: Proxmox VE bringt ZFS (ein Dateisystem mit integriertem Volume-Management, Prüfsummen und Snapshots) und Ceph (verteilter Speicher über mehrere Knoten, „hyperkonvergent“) direkt mit. Klassische Speichersysteme per iSCSI, NFS oder Fibre Channel lassen sich ebenfalls anbinden.
- Netzwerk: Linux-Bridges, VLANs und ein Software-Defined-Networking-Modul (SDN) für komplexere Topologien.
Das Subscription-Modell
Proxmox finanziert sich über Subscriptions, abgerechnet pro belegtem CPU-Sockel und Jahr – nicht pro Kern und nicht pro VM. Alle Stufen (Community, Basic, Standard, Premium) enthalten Zugriff auf das stabile Enterprise-Repository; sie unterscheiden sich im Support-Umfang, also Ticketanzahl und Reaktionszeiten. Funktional gibt es keine Unterschiede. Alle Knoten eines Clusters müssen dieselbe Stufe haben. Die aktuellen Listenpreise stehen auf der Proxmox-Website; für Ihren Kostenvergleich lohnt es sich, die Sockelzahl Ihrer Hosts parat zu haben und Partnerangebote für Vor-Ort-Support einzubeziehen.
Ohne Subscription nutzen Sie das „No-Subscription“-Repository, das Updates früher, aber weniger abgehangen erhält. Für produktive Umgebungen im Unternehmen ist mindestens eine Community-Subscription die übliche Empfehlung.
Die Migration in fünf Schritten
1. Inventur
Bevor Sie eine einzige VM verschieben, brauchen Sie ein vollständiges Bild:
- Welche VMs laufen, mit welchem Betriebssystem, wie vielen vCPUs, wie viel RAM und Speicher?
- Welche VMware-spezifischen Funktionen werden genutzt – vSAN, verschlüsselte Disks, vTPM, Distributed Switches, NSX, Snapshots?
- Welche Abhängigkeiten gibt es: Backup-Software, Monitoring, Lizenzbindungen an MAC-Adressen oder Hardware-IDs?
- Welche Anwendungen haben Herstellerzertifizierungen, die nur für bestimmte Hypervisoren gelten?
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Manche Fachanwendungen sind offiziell nur für vSphere freigegeben. Klären Sie das mit dem Hersteller, bevor Sie planen.
2. Testumgebung aufbauen
Installieren Sie Proxmox VE auf mindestens einem, besser drei Testservern. Drei Knoten sind die sinnvolle Mindestgröße für einen Cluster mit stabilem Quorum und für Ceph. Nutzen Sie die Phase, um Ihr Team mit Weboberfläche, Kommandozeile (qm, pct, pvesm) und der Rechteverwaltung vertraut zu machen.
3. Import mit dem Assistenten
Seit Version 8.2 (April 2024) enthält Proxmox VE einen Import-Assistenten für VMware ESXi. Technisch wird der ESXi-Host als „Speicher“ eingebunden; über die Oberfläche wählen Sie die Quell-VM, Zielspeicher und Netzwerk-Bridge aus. Laut Proxmox-Dokumentation ist der Import mit ESXi 6.5 bis 8.0 getestet; der Weg über vCenter funktioniert, ist aber deutlich langsamer. Auch OVF/OVA-Dateien lassen sich importieren.
Wichtig sind die dokumentierten Einschränkungen:
- Die Quell-VM muss für einen konsistenten Import ausgeschaltet sein.
- Disks auf vSAN lassen sich nicht direkt importieren; sie müssen vorher auf einen anderen Datastore verschoben werden.
- Verschlüsselte Disks und der Zustand eines vTPM werden nicht übernommen. Eine an das vTPM gebundene Festplattenverschlüsselung (etwa BitLocker) muss vorher deaktiviert werden – Wiederherstellungsschlüssel bereithalten.
- VMs mit Snapshots importieren deutlich langsamer.
- Proxmox empfiehlt, nicht mehr als vier Disks gleichzeitig zu importieren.
Eine „Live-Import“-Option startet die VM bereits auf Proxmox VE, während die Daten im Hintergrund kopiert werden. Das verkürzt die Ausfallzeit, birgt aber ein Risiko: Schlägt der Import fehl, sind alle seit dem Start geschriebenen Daten verloren. Für kritische Systeme ist der klassische Import im Wartungsfenster die sicherere Wahl.
4. Gastsysteme vorbereiten und nacharbeiten
Die meisten Probleme entstehen nicht beim Kopieren, sondern beim ersten Start:
- VMware Tools vorher deinstallieren – nachträglich ist das mühsamer.
- VirtIO-Treiber (paravirtualisierte Treiber für Disk und Netzwerk) vorab installieren, unter Linux im initramfs verfügbar machen. Startet eine Windows-VM nicht, hilft vorübergehend ein SATA- oder IDE-Controller; danach wird auf VirtIO umgestellt.
- Netzwerkkonfiguration dokumentieren: Die virtuelle Netzwerkkarte ändert sich, statische IP-Einstellungen können verloren gehen. Notieren Sie IP-Adressen und setzen Sie bei Bedarf die alte MAC-Adresse manuell.
5. Schrittweise umziehen
Beginnen Sie mit unkritischen Systemen, sammeln Sie Erfahrung, dokumentieren Sie jeden Stolperstein. Ein typischer Ablauf: Testsysteme, interne Werkzeuge, dann Fachanwendungen, zuletzt Datenbanken und Domänencontroller. Planen Sie einen Parallelbetrieb ein – und kündigen Sie VMware-Verträge erst, wenn die letzte VM stabil läuft.
Backups mit Proxmox Backup Server
Proxmox VE enthält eine eingebaute Sicherungsfunktion. Für produktive Umgebungen ist der separate Proxmox Backup Server (PBS) die bessere Wahl. Er sichert VMs und Container inkrementell, dedupliziert Daten blockweise, unterstützt clientseitige Verschlüsselung, Verifikationsjobs zur Prüfung der gesicherten Daten sowie die Synchronisation auf einen zweiten, entfernten PBS. Auch Band-Sicherungen sind möglich.
Stellen Sie den PBS auf eigene Hardware, nicht als VM in den Cluster, den er sichern soll. Wie Sie daraus eine belastbare Sicherungsstrategie machen, beschreibt unser Leitfaden Backups nach der 3-2-1-Regel.
Falls Sie bisher Veeam oder eine andere Drittsoftware einsetzen: Prüfen Sie, ob und in welchem Umfang Ihr Produkt Proxmox VE unterstützt. Ein Wechsel der Plattform ist ein guter Anlass, das Sicherungskonzept insgesamt zu überprüfen.
Typische Stolperfallen
- Fehlendes Know-how: Proxmox VE ist Debian-Linux im Kern. Teams ohne Linux-Erfahrung brauchen Schulung oder einen Partner.
- Ceph auf zu kleiner Hardware: Ceph braucht mindestens drei Knoten, schnelles Netz (10 GbE aufwärts, separat vom VM-Verkehr) und Enterprise-SSDs. Für kleine Umgebungen ist ZFS mit Replikation oft die robustere Lösung.
- Quorum vergessen: Ein Cluster mit zwei Knoten verliert bei einem Ausfall das Quorum. Ein dritter Knoten oder ein externes Quorum-Gerät (QDevice) ist Pflicht.
- Hardware-Kompatibilität: RAID-Controller, die ZFS die Disks verbergen, sind ungeeignet; ZFS will direkten Zugriff (HBA-Modus).
- Lebenszyklus: Für Proxmox VE 8 nennt Proxmox den August 2026 als Support-Ende. Wer neu einsteigt, beginnt mit Version 9 und plant Upgrades als regelmäßige Aufgabe ein.
Was kostet das wirklich?
Lizenzkosten sind nur ein Teil der Rechnung. Schulung, externer Support, Migrationsaufwand, eventuell neue Backup-Software und der Parallelbetrieb gehören dazu. Wie Sie die Gesamtkosten ehrlich vergleichen, erklärt unser Beitrag TCO ehrlich rechnen; eine erste Abschätzung liefert der Kostenrechner. Und wer schon dabei ist: Eine durchdachte Exit-Strategie gegen Lock-in bewahrt davor, in fünf Jahren wieder vor demselben Problem zu stehen.
Checkliste für den Umstieg
- Laufzeiten und Kündigungsfristen der VMware-Verträge erfassen
- Vollständige Inventur aller VMs und genutzten VMware-Funktionen
- Herstellerfreigaben kritischer Anwendungen für KVM/Proxmox klären
- Testcluster mit drei Knoten aufbauen, Team schulen
- Speicherstrategie festlegen: ZFS mit Replikation oder Ceph
- Proxmox Backup Server auf separater Hardware einrichten, Restore testen
- VMware Tools entfernen, VirtIO-Treiber installieren, Netzwerkdaten notieren
- vSAN-Disks verschieben, vTPM-Verschlüsselung deaktivieren, Schlüssel sichern
- Migration in Wellen, beginnend mit unkritischen Systemen
- Subscription-Stufe und Support-Partner festlegen
- VMware erst nach stabilem Abschluss kündigen
Häufige Fragen
Kann man VMware-VMs direkt in Proxmox importieren?
Ja. Seit Version 8.2 (April 2024) enthält Proxmox VE einen Import-Assistenten für VMware ESXi, der laut Dokumentation mit ESXi 6.5 bis 8.0 getestet ist; auch OVF/OVA-Dateien lassen sich importieren. Die Quell-VM muss für einen konsistenten Import ausgeschaltet sein. Disks auf vSAN müssen vorher auf einen anderen Datastore verschoben werden, verschlüsselte Disks und vTPM-Zustände werden nicht übernommen.
Was kostet Proxmox VE?
Die Software selbst ist kostenlos und ohne Funktionsbeschränkung nutzbar. Proxmox finanziert sich über Subscriptions, abgerechnet pro belegtem CPU-Sockel und Jahr. Die Stufen Community, Basic, Standard und Premium enthalten Zugriff auf das Enterprise-Repository und unterscheiden sich nur im Support-Umfang. Für produktive Umgebungen ist mindestens eine Community-Subscription die übliche Empfehlung; aktuelle Listenpreise stehen auf der Proxmox-Website.
Wie viele Server braucht ein Proxmox-Cluster?
Drei Knoten sind die sinnvolle Mindestgröße für einen Cluster mit stabilem Quorum und für Ceph. Ein Cluster mit zwei Knoten verliert bei einem Ausfall das Quorum, deshalb ist ein dritter Knoten oder ein externes Quorum-Gerät (QDevice) Pflicht. Für kleine Umgebungen ist ZFS mit Replikation oft robuster als Ceph, das schnelles Netz und Enterprise-SSDs braucht.
Wie sichert man VMs unter Proxmox VE?
Für produktive Umgebungen ist der separate Proxmox Backup Server (PBS) die bessere Wahl als die eingebaute Sicherungsfunktion. Er sichert VMs und Container inkrementell, dedupliziert blockweise und unterstützt clientseitige Verschlüsselung, Verifikationsjobs sowie die Synchronisation auf einen entfernten zweiten PBS. Der PBS gehört auf eigene Hardware, nicht als VM in den Cluster, den er sichern soll.
Mit welcher Proxmox-Version sollte man neu einsteigen?
Mit Version 9. Sie basiert auf Debian 13 „Trixie“; im Mai 2026 erschien Version 9.2, die unter anderem einen dynamischen Lastausgleich ergänzt hat. Für Proxmox VE 8 nennt Proxmox den August 2026 als Support-Ende. Wer neu einsteigt, sollte Upgrades von Anfang an als regelmäßige Aufgabe einplanen.
Quellen
- Broadcom – Broadcom Completes Acquisition of VMware (22.11.2023)
- The Register – VMware by Broadcom ends perpetual licences (12.12.2023)
- Proxmox – Pressemitteilung Proxmox VE 8.2 mit Import-Assistent (24.04.2024)
- Proxmox – Pressemitteilung Proxmox VE 9.2 (21.05.2026)
- Proxmox VE Wiki – Migrate to Proxmox VE
- Proxmox VE Wiki – FAQ (Lizenz, Support-Lebenszyklus)
- Proxmox VE – Subscriptions und Preise
- Proxmox VE – Administrationshandbuch
- Proxmox Backup Server – Dokumentation



